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Forschungsnetzwerk RobustNature analysiert Zusammenhang von Chemikalieneinsatz und dem Verlust der Artenvielfalt und gibt Handlungsempfehlungen, LOEWE-TBG ist beteiligt

Pestizide in der Landwirtschaft tragen zum Verlust der Biodiversität bei.
© Markus Bernards
Pestizide in der Landwirtschaft tragen zum Verlust der Biodiversität bei.

Der Rückgang der biologischen Artenvielfalt bedroht die Lebensgrundlage der Menschheit. Dabei sind die Zusammenhänge von Artenschwund einerseits und dem Verlust von Lebensräumen, dem Eindringen nicht-heimischer Arten und dem Klimawandel andererseits bereits intensiv erforscht. Was der Einsatz von Chemikalien für die Biodiversität bedeutet, wurde in der Vergangenheit hingegen zu wenig betrachtet. Das zeigt ein Team von 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Forschungsnetzwerks RobustNature, dem auch das LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (LOEWE-TBG) angehört, in einer Studie, in der Fachzeitschrift „Nature Ecology and Evolution“ veröffentlicht.

Die Wissenschaftler:innen haben die wissenschaftliche Literatur der Jahre 1990 bis 2021 umfassend analysiert und festgestellt, dass in den Forschungsarbeiten zur Umweltbelastung durch Chemikalien nur sehr selten die Auswirkungen auf die Biodiversität untersucht wurden. „Das lässt auf eine starke Abkapselung des Fachgebietes schließen und steht im starken Gegensatz zu dem Publikationsverhalten, wenn es um andere Ursachen des weltweiten Biodiversitätsverlustes geht“, sagt Henner Hollert von LOEWE-TBG. „Die Forschung zur Umweltbelastung durch Chemikalien erfolgt bis heute meist losgelöst von der Bewertung des Verlusts der biologischen Vielfalt.“

Die Wissenschaftler:innen geben Handlungsempfehlungen, wie diese Forschungslücke geschlossen werden kann. Dabei fordern sie in erster Linie eine stärkere interdisziplinäre Ausrichtung der Forschungsaktivitäten und nehmen mit ihren Forderungen beispielsweise auch die Industrie in die Pflicht, relevante Daten zu veröffentlichen.

Das Wissenschafts-Netzwerk widmet sich dem Thema Robustheit und Resilienz von Natur-Gesellschaftssystemen im sich entwickelnden Anthropozän und speziell der Interaktion von chemischer Belastung und Biodiversitätsverlust. Mit Partnern aus dem In- und Ausland hat RobustNature eine interdisziplinäre Zusammenarbeit entwickelt, um wichtige Fragestellungen zur Mensch-Ökosystem-Dynamik anzugehen.

Partner: 

  • Goethe-Universität Frankfurt (Koordination; Fachbereich Biowissenschaften (15) mit den Fachbereichen Rechtswissenschaften (1), Wirtschaftswissenschaften (2), Gesellschaftswissenschaften (3), Erziehungswissenschaften (4), Geowissenschaften und Geographie (11), Informatik und Mathematik (12), Medizin (16) und dem Profilbereich Sustainability & Biodiversity)
  • Institut für Sozialökologische Forschung (ISOE)
  • Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN)
  • LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (LOEWE TBG)
  • Helmholtzzentrum für Umweltforschung, Leipzig (UFZ)
  • Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, Frankfurt (ehemals LOEWE)
  • Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologe IME, Schmallenberg
  • RWTH Aachen University
  • University of Saskatchewan, Canada
  • ETH Zürich, Schweiz
  • Stockholm University, Schweden