Digital Humanities

  • Digital Humanities

    Einsatz von Informationstechnologie in den Geisteswissenschaften

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    Wie sprach Zarathustra? Gemeinsam mit internationalen Partnern erforscht der LOEWE-Schwerpunkt Digital Humanities in der Kooperation „Corpus Avesticum“ die Texte des Propheten.

  • Digital Humanities

    Arbeit an einer Multispektralkamera

  • Digital Humanities

    Altgeorgische Handschrift

  • Digital Humanities

    Fotografie eines Palimpsests

  • Digital Humanities

    Durch Multispektralkamera und Computer generierte Fassung eines Palimpsests

Digital Humanities Hessen − Integrierte Aufbereitung und Auswertung textbasierter Corpora

Die Einsatzmöglichkeiten von Methoden der Informationstechnologie in den Geisteswissenschaften sind vielfältig – und noch lange nicht ausgereizt. Zum Beispiel kann die IT bei der Entschlüsselung alter Schriftsprachen helfen, ausradierte Pergamentbeschriftungen sichtbar machen − und noch stärker als bisher für die internationale Vernetzung von Forschungsvorhaben genutzt werden.


Handschriftenanalyse mit Durchblick

Da Pergament im Mittelalter teuer war, wurde die alte Tinte zur Erstellung neuer Schriftstücke abgewaschen oder abgekratzt. Die multispektrale Analyse ermöglicht es, diese später überschriebenen Texte wieder sichtbar zu machen: Mithilfe der Multispektralkamera und eines Computerprogramms werden somit längst verborgene Buchstaben wieder erkennbar gemacht.
Die Goethe-Universität Frankfurt ist neben Hamburg die einzige Hochschule in Deutschland, die eine solche Spezialkamera besitzt und sich in verschiedenen Projekten der Handschriftenanalyse multifrequenter Aufnahmen widmet. Mit der Kamera versuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch Texte, in denen einzelne Teile durch nachträgliche Schwärzungen unkenntlich gemacht wurden, wieder herzustellen: Der Briefwechsel zwischen Ludwig Börne und Jeanette Wohl wird dazu in einem eigenen Teilprojekt untersucht.


Wie sprach Zarathustra?

Der altiranische Avesta-Corpus enthält die Überlieferungen religiöser Texte des Propheten Zarathustra. Er besteht aus einer großen Zahl an Handschriften, die teils deutlich voneinander abweichen. Doch welcher Text ist der älteste und somit Ursprung der sprachlichen Varianten?
Ein Handschriftenstammbaum soll Hilfestellung bei der Einordnung der Überlieferungen geben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler digitalisieren dazu die Handschriften und bearbeiten sie computerunterstützt. Dies ermöglicht einerseits die Bewältigung von über 300 Handschriften mit bis zu 800 Seiten und hilft andererseits der internationalen Vernetzung: Digitale Schriften und Ergebnisse stehen neben dem Projekt in Frankfurt, auch den Kooperationspartnern in Berlin, Bologna, Göttingen, London und Salamanca zur Verfügung und vereinfachen somit eine gemeinsame Forschung.


Entstehung von Texten im Web 2.0

Prinzipiell offen und erweiterbar hat Text im Internet zunehmend Prozesscharakter. Insbesondere das sogenannte Web 2.0 mit Diskurstypen wie Chat, Blog, Wiki, Twitter etc. ermöglicht bei der Erstellung von Texten neue Infrastrukturen: Phänomene wie die Mehrautorenschaft und die Verschmelzung von Autor und Leser, die durch die niedrige Publikationsschwelle auftreten, sind charakteristisch für das Web 2.0. Hinzu kommt die Dokumentation des eigenen Entstehungs-prozesses, welche der Forschung in Form von Metadaten direkt zur Verfügung steht. Projektmitarbeiter und -mitarbeiterinnen untersuchen die Entstehung von Wikipedia-Texten als Produkte von Beiträgen, Änderungen und Diskussionen mithilfe neuer computertechnischer Verfahren zur Text- und Metadatenanalyse.


Nach LOEWE: Forschung und Beratung am Centrum für Digitale Forschung in den Geistes-, Sozial- und Bildungswissenschaften

Die im LOEWE-Schwerpunkt erarbeitete Expertise kommt künftig einem erweiterten Kreis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zugute: Im Dezember 2014 hat das Centrum für Digitale Forschung in den Geistes-, Sozial- und Bildungswissenschaften (CEDIFOR) seine Arbeit aufgenommen. Als Serviceeinrichtung bietet es Geistes- und Sozialwissenschaftlern im Rhein-Main-Gebiet Infrastruktur und Know-how für die Umsetzung eigener Forschungsvorhaben. Neben der Goethe-Universität Frankfurt, die derzeit die Federführung innehat, sind die Technische Universität Darmstadt und das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) daran beteiligt. Das CEDIFOR wird als eines von bundesweit drei eHumanities-Zentren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über drei Jahre mit 2,1 Millionen Euro gefördert.

Damit ist im Rhein-Main-Gebiet die Etablierung eines vergleichsweise jungen und sehr dynamischen Forschungsgebiets gelungen: „Wir haben eine Spitzenposition in der sich schnell entwickelnden Landschaft der Digital Humanities in Deutschland errungen“, so Jost Gippert, Sprecher des LOEWE-Schwerpunkts Digital Humanties und Leiter des CEDIFOR.