Tumor und Entzündung
Viele Tumorerkrankungen entstehen auf dem Boden einer andauernden, chronischen Entzündungsreaktion. Dies ist seit langem für chronisch-entzündliche Erkrankungen bekannt: Patienten, die beispielsweise an Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, chronischer Gastritis oder chronisch obstruktiven pulmonalen Lungenerkrankungen (COPD) leiden, haben ein erhöhtes Risiko, in den betroffenen Geweben und Organen einen Tumor zu entwickeln.
Heute wissen wir aber auch recht genau, warum viele Umwelt- und Lifestyle-Faktoren das Risiko für eine Tumorentstehung erhöhen: Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Sonnenbrand, Fettleibigkeit, körperliche Inaktivität, aber auch chronische Infektionen mit Viren und Bakterien – sie alle aktivieren zentrale, intrazelluläre Signalkaskaden, die in den betreffenden Zellen und Geweben die entsprechenden genetischen Programme für eine chronische Entzündung auslösen.
Entzündliche Reaktionen spielen nicht nur bei der Tumorentstehung, sondern auch zu späteren Zeitpunkten eine wichtige Rolle. Hier sind es vor allem Stroma- und Immunzellen, also nicht-entartete Zellen, die im Tumorkontext „umgepolt“ werden und statt den Tumor zu bekämpfen ihn in seiner Expansion sogar fördern.
Genau hier will der LOEWE-Schwerpunkt „Tumor und Entzündung“ gezielt jene Mechanismen untersuchen, die der Interaktion von Tumor- und Entzündungszellen zugrunde liegen. Aus diesem tieferen Verständnis heraus sollen neue Strategien für die Krebstherapie entwickelt werden. Ziel ist es, in den „Dialog“ zwischen Tumor- und Entzündungszellen einzugreifen und die „Umpolung“ der Immun- und Stromazellen durch den Tumor wieder rückgängig zu machen.
