Mathematik einmal anders

Dr.-Ing. Dietmar Hildenbrand

Persönlich Hildenbrand

Herr Dr. Hildenbrand, Sie sind Geschäfts- führer des LOEWE-Schwerpunkts Cocoon in Darmstadt. Was macht Cocoon?
Mobiltelefone, Navigationsgeräte und sogar Autoschlüssel – zahlreiche Geräte senden und empfangen Signale heute drahtlos. Cocoon will die Kommunikations-Technologie dafür weiter- entwickeln und damit neue Anwendungs- bereiche möglich machen. Denn eines ist klar: Auch zukünftig werden Anwendungen der kooperativen Sensorkommunikation unsere Lebens- und Arbeitswelt weiter verändern.

Wie war Ihr Werdegang: einmal Wissenschaftler, immer Wissenschaftler?
Von Hause aus bin ich Informatiker. Nach dem Studium bin ich zunächst in die Wirtschaft gegan- gen und habe bei einem mittelständischen Unternehmen in der Entwicklung gearbeitet. Als ich die Chance bekam zu promovieren, zog es mich zurück in die Wissenschaft. Und dabei bin ich geblieben.

Sucht man im Internet nach Ihnen, stößt man sehr schnell auf „geometrische Algebra“. Was verbirgt sich dahinter?
Die „geometrische Algebra“ ist eine einfache und allgemeine mathematische Sprache. Die Grund- lagen der „geometrischen Algebra“ – wir nennen sie kurz „GA“ – hat 1844 Hermann Grassmann, ein Mathematiker aus Stettin, gelegt. Bei seinen Kollegen fand er damals jedoch kaum Gehör. Erst in den letzten Jahren erkennt man das immense Potenzial der GA für viele Bereiche des Ingenieurwesens und der Naturwissenschaften. Im Ingenieurwesen wird sie aktuell hauptsächlich im Bereich von Computergrafik, Computer Vision und Robotik angewandt. In den Naturwissenschaften profitiert insbesondere die Physik von der GA.

Sie haben die „geometrische Algebra“ inzwischen mehrfach in Schulen vorgestellt. Wie reagieren die Schülerinnen und Schüler?
Sie reagieren hauptsächlich mit Verblüffung: So einfach und verständlich haben sie Mathematik noch nicht erlebt. Innerhalb sehr kurzer Zeit hatten sie Erfolgserlebnisse, als es beispielsweise darum ging, die umhüllende Kugel einer Pyramide zu berechnen. Ich hoffe sehr, dass die geome-trische Algebra möglichst bald in die Schule Einzug halten wird. Bei vielen Schülern würde so gar nicht erst ein Mathe-Frust entstehen. Ich freue mich schon darauf, im November Kinder im Rahmen der Kinderuni in Darmstadt für die geometrische Algebra begeistern zu können.