Lungenforscher mit Weitblick

Dr. Rory E. Morty

Dr. Rory E. Morty

Herr Dr. Morty, Sie sind Principal Investigator am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim, einer der drei Trägerinstitutionen des LOEWE-Zentrums Universities of Gießen and Marburg Lung Center (UGMLC). Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte?
In meiner Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns vorrangig mit zwei Fragestellungen, die große Relevanz in der Intensivmedizin haben: Zum einen wollen wir verstehen, welche molekularen Mechanismen der Bildung von Ödemen in der Lunge zugrunde liegen, wie sie bei Erwachsenen auftreten. Zum anderen untersuchen wir die Lungenentwicklung, also die Ausbildung der Bronchen und der Lungenbläschen im Kindesalter. Ein Schwerpunkt ist dabei die konkrete Situation von Frühgeborenen, die beatmet werden müssen – ein risikoreicher Prozess, der nicht selten die Lunge schädigt.

Neben Ihrer Forschung leiten Sie die UGMLC School. Warum hat UGMLC ein eigenes Gradu-iertenprogramm aufgelegt?
Wir können in der Forschung und in der klinischen Diagnose und Behandlung von Lungen-erkrankungen langfristig nur dann vorankommen, wenn wir die nächste Wissenschaftlergeneration nah an der Spitzenforschung ausbilden. Darin liegt auch meine ganz persönliche Motivation für die Arbeit an der UGMLC School, deren Gründung Professor Werner Seeger als UGMLC-Sprecher 2009 initiiert hat. Wichtig ist uns aber auch der Netzwerk-Gedanke: Das LOEWE-Zentrum führt die Lungen- forschung der Universitäten in Gießen und Marburg und des Max-Planck-Instituts in Bad Nauheim zusammen. Ebenso halten wir es an der UGMLC School: Wir bündeln bei uns alle Themen rund um die Lunge für die Doktorandenausbildung an den drei Standorten und kooperieren dafür eng mit dem Gießener Graduiertenprogramm „Molecular Biology and Medicine of the Lung“ und der „International Max Planck Research School for Heart and Lung Research“ in Bad Nauheim.

Wer sind Ihre Studenten und was bieten Sie ihnen?
Wir nehmen pro Jahr 15 bis 20 Doktoranden auf. Bei mehr als 2.000 Bewerbungen aus aller Welt ist die Auswahl nie leicht, aber wir achten darauf, dass immer mindestens ein Drittel aus Deutschland kommt und mehr als die Hälfte Frauen sind. Zum dreijährigen Curriculum gehören wöchentliche Tutorien und jährlich drei bis vier Symposien mit internationalen Experten. Hinzu kommt die Sommerschule: Ein Höhepunkt ist immer, wenn unsere Studenten dort auf Nobelpreisträger treffen, die nicht nur fachlich beeindrucken. Aus den persönlichen Gesprächen nehmen die Teilnehmer oft eine neue, motivierende Perspektive mit.

Wie gehen Sie damit um, dass mehr Doktoranden ausgebildet werden, als die universitäre und die außeruniversitäre Forschung aufnehmen kann?
Dieser Umstand ist uns natürlich bewusst. Wer bei uns das Programm durchläuft, besucht auch Module zu Soft Skills und Karriere-Planung. Wir sind sehr froh und ein bisschen stolz, dass bisher alle Absolventen Arbeit gefunden haben.