Zellen für ein starkes Herz

Privatdozentin Dr. Birgit Aßmus

Privatdozentin Dr. Birgit Aßmus: Zellen für ein starkes Herz

Frau Dr. Aßmus, Sie leiten am Frankfurter LOEWE-Zentrum für Zell- und Gentherapie eine Arbeitsgruppe. Womit sind Sie und Ihr Team befasst?
Unser Anliegen ist es, Patienten mit akutem Herzinfarkt und chronischer Herzschwäche nachhaltig zu helfen, indem wir sie mit ihren eigenen Stammzellen aus dem Knochenmark behandeln. Dazu führen wir klinische Studien durch: Welchen Patienten helfen die Stamm- zellen? Wie müssen die Zellen aufbereitet sein, damit sie im Patienten funktionieren? Kann man die Stammzellen auf ihre Aufgabe im Patienten besser vorbereiten? Die Zelltherapie ist schon heute ein sehr sicherer Therapieansatz. Wir wollen ihn so weiterentwickeln, dass er auch außerhalb klinischer Studien eingesetzt werden kann.

Stammzellen sind für viele ein Reizthema, das mit großen ethischen Bedenken einhergeht. Wie stehen Sie dazu?
Ich habe Verständnis für die Vorbehalte gegen die Arbeit mit embryonalen Stammzellen – aus ethischen und aus Sicherheitserwägungen. Wir aber arbeiten ausschließlich mit patienteneigenen adulten Stammzellen, die aus dem Knochenmark isoliert werden. Wir bereiten die Zellen im Labor auf und setzen sie dann am infarktgeschwächten Herzen des Patienten ein. Damit erreichen wir nach akutem Infarkt eine messbare Verbesserung der Herzleistung – ein deutlicher Fortschritt gegenüber Medikamenten, die bisher nur auf den Erhalt des beeinträchtigten Status quo zielen.

Wie nah arbeiten Sie am Patienten? Wie viel Zeit haben Sie für Forschung?
Ich arbeite in der Klinik ganz normal als Oberärztin und verantworte eine Überwachungsstation und das Herzultraschall. Die akute Patientenversorgung hat selbstverständlich immer Vorrang. Im Klinik- alltag muss man deshalb um Freiräume für die Forschung kämpfen, und ohne die Unterstützung der Vorgesetzten geht es nicht. Mir sind beide Bereiche sehr wichtig: Ich arbeite sehr gerne direkt mit den Patienten, zum Beispiel in meiner Spezialsprechstunde für Herzschwäche. Gleichzeitig führt mir das immer wieder die Relevanz unserer Forschungsarbeit vor Augen und treibt mich voran.

Wie ist die Arbeit in der Klinik mit dem Familienleben vereinbar?
Ich arbeite nicht mehr im Schichtdienst, das ist ein großer Vorteil. Dennoch ist es nicht ganz einfach, ausreichend Zeit für meine beiden kleinen Kinder aufzubringen, zumal sich weder Notfälle noch die Forschungstätigkeit an feste Zeitvorgaben halten. Das funktioniert nur, weil mein Mann dahinter- steht und mich maximal unterstützt.

Sie sind seit fünf Jahren habilitiert. Wie soll es für Sie weitergehen?
Ich möchte weiterhin Klinik und Forschung miteinander verbinden und in interdisziplinärer Zusammenarbeit die patientenorientierte Entwicklung von Therapien vorantreiben. Wenn ich das eines Tages mit einer Professor verbinden kann – umso besser.