Gestalterin der Mobilität der Zukunft

Dr.-Ing. Petra K. Schäfer

Frau Schäfer Sie sind Professorin für Verkehrsplanung und Leiterin der Fachgruppe „Neue Mobilität“ am Fachbereich Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik an der Frankfurt University of Applied Sciences und gehören zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die unter der Federführung der HfG-Offenbach am LOEWE-Schwerpunkt Infrastruktur-Design-Gesellschaft mitwirken. Erzählen Sie uns doch etwas zu den Zielen und besonderen Möglichkeiten dieses LOEWE-Projekts.
Das spannende an dieser Zusammenarbeit ist, dass Designer, Stadtplaner, Informatiker und Verkehrswissenschaftler gemeinsam zur attraktiven Gestaltung der umweltfreundlichen Verkehrsmittel forschen. Wir lernen hier durch unsere unterschiedliche Herangehensweise sehr viel voneinander und erhoffen uns interdisziplinäre Erkenntnisse, die wir alleine nicht entwickeln könnten.
Sie haben 1999 an der TU Darmstadt Ihren Abschluss als Bauingenieurin gemacht darauf aufbauend bis zu Ihrer Promotion als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrstechnik gearbeitet. Es folgte die Promotion im Jahr 2004 zum Thema „Alternative Methoden zur Überwachung der Parkdauer sowie zur Zahlung von Parkgebühren“. Wie kam es zu der Faszination für dieses doch recht spezielle Thema?
Ich habe mich schon immer für die Akzeptanz neuer Techniken in der Verkehrsplanung interessiert. Wie können wir Verkehrsteilnehmer davon überzeugen, umweltfreundlicher unterwegs zu sein, und wie können wir diese Verhaltensänderung aktiv durch neue Services unterstützen. Meine Doktorarbeit entstand aus einem Forschungsprojekt des Bundesverkehrsministeriums, wo man herausfinden wollte, ob und wie aufgrund neuer Services im Bereich Parken die Straßenverkehrsordnung angepasst werden sollte. Meine Arbeit hat diese Änderung vorbereitet. Mittlerweile gibt es so viele Services zum Parken, dass man hier schon fast den Überblick verliert.
Ihr Forschungsschwerpunkt ist der Themenkomplex Elektromobilität: In den Medien wird immer wieder davon berichtet, dass Deutschland hier den Anschluss längst verpasst habe. Ist das noch aufzuholen? Oder ist das Elektroauto heute schon längst überholt und es gilt andere Ideen umzusetzen?
Das Elektroauto ist eine Stellschraube von vielen. Es bleibt ein Auto, nimmt denselben Platz weg wie ein konventionelles Fahrzeug und erzeugt denselben Stau. Nur in Zusammenhang mit anderen Maßnahmen, wie z. B. Carsharing und einer guten Verknüpfung der Verkehrsmittel, werden wir die Verkehrswende schaffen. Das Elektroauto ist in Deutschland (mit etwas Verspätung) nun im Kommen und wird immer mehr den Markt durchdringen, die Verkehrswende schaffen wir aber nur, wenn wir die umweltfreundlichen Verkehrsmittel des öffentlichen Verkehrs, Rad- und Fußverkehrs stärken und mit der Elektromobilität verbinden.
Wie ist Deutschland im Bereich der Verkehrsplanung im Vergleich zu anderen europäischen Ländern aufgestellt und was können wir ggfs. von den anderen lernen?
In Deutschland haben wir einige Bereiche, in denen wir sehr gut dastehen: Die Infrastruktur im öffentlichen Verkehr ist sehr gut, auch wenn natürlich immer noch wichtige Verbindungen ergänzt werden müssen. Unser Straßennetz ist teilweise sogar zu gut und im Radverkehr holen wir zum Glück gerade auf. Die Stärkung des Fußverkehrs steckt aktuell noch in den Kinderschuhen, hier muss in den nächsten Jahren noch einiges getan werden.
Sie arbeiten in der Großstadt Frankfurt und leben aber außerhalb, das heißt Sie selbst gehören zu den zahlreichen Pendlern, die jeden Tag zum Arbeiten in die Stadt kommen. Könnten Sie sich vorstellen in Zukunft, wenn eine neue modernere Städteplanung erste Früchte trägt, in Frankfurt zu leben?
Frankfurt ist eine lebenswerte Stadt mit vielen spannenden Entwicklungen. Als ich vor mehr als zehn Jahren hier die Professur antrat, haben wir uns auch mit dem Wohnungsmarkt vor Ort beschäftigt. Schon zu diesem Zeitpunkt war es allerdings schwer bis unmöglich eine familienfreundliche Wohnung in Frankfurt zu finden, die unsere Bedürfnisse befriedigt hätte. Ich merke auch, dass meine Kinder in der ländlichen Gegend in der sie gerade aufwachsen, sehr viel früher selbstständig sein konnten, da alles fußläufig erreichbar ist. Ich kann mir für die Zukunft aber auch gut vorstellen wieder in einer Stadt zu leben. Zurzeit nutze ich zum Pendeln das Auto und die Bahn, abhängig von meinem Tagesablauf. Wenn möglich arbeite ich auch von zu Hause.
„Frauen erobern den Ingenieurberuf“ ist eine Headline, die auch im Jahr 2018 noch zu lesen ist und damit unterstreicht, dass es immer noch keine Selbstverständlichkeit ist, dass Frauen eher naturwissenschaftlich geprägte Berufe ergreifen. Haben Sie selbst eine Erklärung dafür und wenn ja vielleicht auch eine Idee was man dafür tun müsste, damit sich das ändert?
Wir haben bei den Bauingenieuren eine Quote von etwa einem Viertel bis zu einem Drittel Frauen. Meine Fachgruppe besteht zur Hälfte aus Frauen. Ich glaube, dass die Zeiten in denen Studentinnen in diesem Bereich zur Ausnahme zählten, eher der Vergangenheit angehören. Jetzt müssen die jungen Frauen eben noch den Arbeitsmarkt erobern. Im Vergleich zu meinem Start in diesem männerdominierten Bereich der Ingenieurwissenschaften, in dem ich oft die einzige Frau war, sind die Unterschiede jetzt schon sichtbar und es hat sich viel getan
Sie haben im November 2017 den Innovationspreis des Fördervereins der Frankfurt University e. V. für herausragende Leistungen in Forschung und Transfer überreicht bekommen: In der Laudatio wurde neben Ihren großen Leistungen im Bereich Mobilität auch Ihr herausragendes Engagement zur Verknüpfung von Forschung und Lehre hervorgehoben. Wieso ist das Ihrer Meinung nach so wichtig und welche Maßnahmen setzten Sie dafür konkret um?
Die Forschung sollte immer auch in die Lehre einfließen, denn wir bilden ja die Fachkräfte von morgen aus, die unbedingt auf dem neuesten Stand sein und die aktuellen Entwicklungen und Ideen kennen sollten. In unserer Fachgruppe „Neue Mobilität“ arbeiten, neben fünf wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, bis zu zehn wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte mit uns an den Forschungsprojekten. Zusätzlich werden Abschlussarbeiten und Projekte an die Forschungsprojekte gekoppelt und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Lehre eingebunden. Das erweitert ihre Kompetenzen und bringt die Forschung auf einer zusätzlichen Ebene den Studierenden nahe.