Brückenschlag nach China

Professor Dr. Eric Meggers

Professor Dr. Eric Meggers: Brückenschlag nach China

Mit Ihrem LOEWE-Schwerpunkt „Innovative Synthesechemie für die selektive Modula- tion biologischer Prozesse (SynChemBio)“ haben Sie sich vorgenommen, „Selektivität“ in bio-chemischen Prozessen zu erreichen. Was steckt dahinter?
Unser Feld sind die Biochemie und die Medizinalchemie, wir haben es also mit hoch- komplexen Prozessen zu tun, bei denen eine Vielzahl von Proteinen, Enzymen und weiteren Zellbestandteilen interagieren. Mit neuen chemischen Strategien wollen wir zur zielgenauen Steu- erung dieser Prozesse beitragen. Unser Ziel ist es, medizinische Wirkstoffe so zu designen, dass sie ausschließlich die ihnen zugedachte Wirkung entfalten, also nebenwirkungsfrei sind. Auch für die Forschung wäre es ein Gewinn, wenn es zum Beispiel gelänge, mit einem Hemmstoff ein einziges Enzym auszuschalten: Wir könnten dann auf die genaue Funktion rückschließen, die dieses eine Enzym erfüllt. Dazu ist aber noch umfangreiche Grundlagenforschung erforderlich, und hier ermög- licht uns der LOEWE-Schwerpunkt ganz neue Wege: Zu unserem Team gehören unter anderem Kolleginnen und Kollegen der anorganischen und metallorganischen Chemie. Wir können unsere Fragestellung also aus einem viel breiteren Blickwinkel angehen, als es bisher üblich ist.

Nach Studium in Bonn und Stationen in der Schweiz und den USA sind Sie seit 2007 an der Philipps-Universität Marburg. 2011 kam eine Professur an der Universität Xiamen in China hinzu. Wie sind Sie dazu gekommen?
Als ich nach Marburg kam, hatte ich eine Reihe von Stellen zu besetzen, die ich nicht allein mit hiesigen Absolventen füllen konnte. Ich habe mich also international umgesehen, auch ganz gezielt in China. So begann die Zusammenarbeit mit Dr. Lei Gong, der drei Jahre Postdoktorand bei mir hier in Marburg war. Diese Zusammenarbeit haben wir nach seiner Rückkehr als Associate Professor an die Xiamen Universität fortgesetzt und betreuen seither zusammen eine Arbeitsgruppe.

Was bedeutet diese Doppelprofessur für Ihren Alltag und für Ihre Forschung?
Etwa zwei Monate im Jahr verbringe ich an der Universität in Xiamen. In der übrigen Zeit läuft der Austausch über E-Mail und Skype. Diesen zusätzlichen Aufwand nehme ich gerne in Kauf, denn unsere chinesischen Mitarbeiter sind mit großem Eifer dabei, und inzwischen profitieren meine Gruppen in Marburg und in Xiamen sehr voneinander.

Mit Ihrem Forschungsthema wären Sie doch bestimmt auch für die Industrie interessant. Warum forschen Sie an der Universität?
Ursprünglich hat es mich mit Mathe und Physik ins Lehramt gezogen. Aber dann packte mich die Chemie, und ab dem Moment wollte ich Hochschullehrer werden. Das ist für mich die ideale Verbindung zwischen meiner Leidenschaft für die Forschung und dem Wunsch, Wissen zu vermitteln. Deshalb freue ich mich sehr, dass die LOEWE-Förderung unsere Möglichkeiten der Nachwuchsförderung noch einmal erweitert.