Erforschung der Riesenenzyme

Professor Dr. Martin Grininger

Martin Grininger

Herr Professor Grininger, seit Januar 2017 sind Sie gemeinsam mit Ihrem Kollegen Professor Helge Bode, Sprecher des neuen LOEWE-Schwerpunkts MegaSyn. Welche Ziele möchten Sie bis 2020 erreichen?
Ich muss eine Information vorwegschicken, um zu erklären, was unsere Ziele sind: Viele Medikamente, wie wir sie heute verwenden, werden in der Natur von Pilzen und Bakterien produziert. Wir wollen nun zeigen, dass man diese in der Natur vorkommenden Synthesewege maßschneidern kann, um Substanzen, wie neue Antibiotika, einfach und umweltfreundlich herzustellen. Die Motivation, mich um die LOEWE-Förderung zu bewerben, war vor allem die Aussicht, über einem Zeitraum von vier Jahren gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen an einem so zukunftsweisenden, wissenschaftlichen Thema arbeiten zu können – und wir sind gut im Soll: Bis 2020 wollen wir mit diesem Forschungsansatz einen weit sichtbaren Forschungscluster aufgebaut haben.

2012 titelte die Frankfurter Rundschau in einem Artikel über Sie „Den Nobelpreis knapp verpasst“ – stimmt das?
Gut, dass ich die Gelegenheit bekomme, das klarzustellen: Im Gespräch mit dem Journalisten kam tatsächlich eine Situation zur Sprache, in der ein Wissenschaftler zu einer Fragestellung, an der ich damals zeitgleich forschte, schneller wichtige Ergebnisse produzierte und veröffentlichte. Er bekam später den Nobelpreis – jedoch nicht wegen dieser konkreten Arbeit, sondern wegen vieler wichtiger Beiträge zur Erforschung der Proteinsynthese … Die Überschrift ist also ganz einfach eine Ente. Ich hätte sie so nie und nimmer freigegeben.

Anfang dieses Jahres ist Ihnen im Rahmen der Forschungsarbeit mit Ihrem Kollegen und Ihrer Arbeitsgruppe eine womöglich revolutionäre Entwicklung gelungen, worum geht es konkret?
Wir haben gemeinsam mit Kollegen das Enzym, das für die Synthese von Fettsäuren verantwortlich ist, in seiner Funktion verändert. Dieses Enzym, FAS genannt, produziert normalerweise Fettsäuren einer ganz bestimmten Länge. Wir haben FAS so verändert, dass nun kürzere Fettsäuren produziert werden. Klingt einfach, im Detail heißt das aber, dass wir FAS dazu gebracht haben, die Länge der Fettsäuren „falsch“ zu messen, so dass systematisch zu kurze Fettsäuren entstehen. Eine so veränderte FAS haben wir in Hefen eingebracht, die auch zum Bierbrauen verwendet werden. Hefe kann mit diesen Fettsäuren in der Zelle nichts anfangen und schleust sie nun aus. Das ist aus vielen Gründen interessant, z.B. auch um in Zukunft Biotreibstoff durch Fermentation herstellen zu können.

Sie stammen ursprünglich aus Linz, haben einen Großteil Ihrer Studienzeit in Österreich und München verbracht, wo Sie am Max-Planck-Institut für Biochemie Ihre Doktorarbeit schrieben, und sind nun seit 2012 – nach weiteren Stationen – in Frankfurt zu Hause. Warum ausgerechnet die Bankenmetropole?
Schon in München habe ich mit Arbeitsgruppen in Frankfurt kooperiert. Der wichtige Schritt in meiner Laufbahn war die Förderung durch die VolkswagenStiftung. Mit dieser und der Unterstützung der Goethe-Universität konnte ich dann eine Arbeitsgruppe in Frankfurt ansiedeln. Übrigens ist Frankfurt sehr lebenswert und braucht sich auch vor München und Wien nicht verstecken. Nur der Schnee fehlt.