Lehren aus der Finanzkrise

Professorin Nicola Fuchs-Schündeln, PhD

Professorin Nicola Fuchs-Schündeln, PhD: Lehren aus der Finanzkrise

Das LOEWE-Zentrum SAFE hat sich vorgenommen, Lehren aus der jüngsten Finanzkrise zu ziehen und an einer nachhaltigen Finanzarchitektur in Europa mitzuwirken. Wie wollen Sie das erreichen?
SAFE umfasst eine sehr große Forschergruppe – mehr als 60 Professorinnen und Professoren sowie Post-Docs in Frankfurt, die mit noch einmal rund 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von anderen internationalen Universitäten und Organisationen zusammenarbeiten. Das ermöglicht uns, das Thema Finanzen von vielen Seiten zu untersuchen. Gleichzeitig versuchen wir, durch übergeordnete Fragestellungen und Querschnittsbereiche stets den Blick fürs Ganze zu behalten. Dazu trägt auch bei, dass bei SAFE Volkswirte, Betriebswirte, Juristen und Soziologen zusammenarbeiten und ihre unterschiedlichen Ansätze und Methoden einbringen. Die Ergebnisse unserer Forschung vermitteln wir dann aktiv an politische Entscheidungsträger.

Von welcher Seite aus betrachten Sie die Finanzmärkte?
Ich beschäftige mich vor allem mit Entscheidungen privater Haushalte: Wie viel sparen sie und welche Faktoren spielen bei der Wahl der Geldanlage eine Rolle? Das ist z.B. für die Regulierung relevant: Wie viel Schutz brauchen Privatanleger, wie viel Freiheit benötigen sie? In einem aktuellen SAFE-Projekt haben mein Koautor Michalis Haliassos und ich untersucht, wie Haushalte aus den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung zuvor unbekannte Produkte wie Aktien, Anleihen oder Konsumentenkredite angenommen haben. Wir haben herausgefunden, dass sie diese Finanz- produkte sehr schnell in ähnlichem Maß wie vergleichbare West-Haushalte genutzt haben. Die fehlende Erfahrung hielt sie also nicht davon ab. Plötzliche Rückgänge in der Nachfrage nach Krediten, die auf Enttäuschungen hindeuten würden, konnten wir nicht feststellen. Das könnte bisherigen Regulierungsansätzen widersprechen, die für den Zugang zu Finanzprodukten häufig die Vertrautheit mit deren Umgang voraussetzen. Andere Aspekte, wie insbesondere Finanzbildung, könnten dagegen viel wichtiger sein.

Sie sind neben Ihrer Forschung auch für Gleichstellungsfragen in SAFE aktiv …
Ja, ich koordiniere das Frauennetzwerk in SAFE. In den Wirtschaftswissenschaften sind Frauen leider immer noch sehr stark unterrepräsentiert und wir versuchen, Nachwuchsforscherinnen und jungen Familien etwa mit Kinderbetreuung während Konferenzen oder Dual-Career-Unterstützung unter die Arme zu greifen.

Mit drei Kindern, einem Abschluss in Yale und einer Professur in Harvard fungieren Sie da bestimmt als gutes Beispiel?
Meine Erfahrungen in den USA sind sicherlich von Vorteil, wenn es darum geht, SAFE noch familien- freundlicher zu machen. Außerdem kann ich mich natürlich gut in junge Forscherinnen hinein- versetzen, die wir für Frankfurt gewinnen wollen. Als ich 2009 mit meiner Familie aus Harvard kam, war ich auch für jede Hilfe dankbar.