Auf der Suche nach universalen Sprachbausteinen

Sara K. Hayden

Persönlich Hayden

Frau Hayden, das Phänomen Sprache gibt immer noch viele Rätsel auf: Es gibt tausende, teils extrem unterschiedliche Sprachen, obwohl alle Menschen ein sehr ähnliches Gehirn haben. Der LOEWE-Schwerpunkt „Fundierung linguistischer Basiskategorien“ sucht nach jenen Sprach-bausteinen, die sich in jeder Sprache wiederfinden – Silben? Wörter? –, und will sie als universale Basiskategorien nach- weisen. Wie tragen Sie mit Ihrer Promotionsarbeit zu dieser Fragestellung bei?
In dem LOEWE-Schwerpunkt untersuchen wir Sprachen aus verschiedenen Epochen und mit unter- schiedlichen regionalen Ausprägungen. Sprachen sind Systeme, und wir suchen nach den grund- legendsten Teilen dieser Systeme, die Menschen erlauben, Äußerungen von anderen zu verstehen. Dialekte und auch Sprachen, die nur von wenigen Menschen gesprochen werden, sind oft „natürlichere“ Systeme als die Weltsprachen, da sie sich länger unnormiert entwickeln konnten. Eine solche Minderheitensprache untersuche ich für meine Doktorarbeit: das Fering-Öömrang als Dialekt des Nordfriesischen, der auf den Inseln Föhr und Amrum gesprochen wird. Solche Sprachen sind große Schätze für unsere Forschung. Das Fering zum Beispiel kennt nur zwei Geschlechter und keine Kasusendungen. Es muss also andere Kategorien geben, die diese Sprache verständlich machen.

Gerade in den Geisteswissenschaften ist die Promotion oftmals ein einsames Unterfangen. Wie ist das bei Ihnen?
In unserem Projektbereich, der sich mit der Schnittstelle von Syntax und Semantik befasst, sind wir insgesamt sechs Promovierende. Dass wir alle in den LOEWE-Schwerpunkt eingebunden sind, führt zu einem sehr intensiven Austausch untereinander. Ich finde das sehr motivierend, denn so schauen wir alle ständig über den eigenen Tellerrand, bekommen Einblicke in andere Sprachen und deren Strukturen und können Projekte angehen, die für einen Doktoranden zu umfangreich wären. Wir haben zum Beispiel eine gemeinsame Datenbank angelegt, mithilfe derer wir Sprachbeispiele erfassen und analysieren.

Vor zehn Jahren sind Sie als Austauschstudentin aus Amerika nach Marburg gekommen – und seither geblieben. Was gefällt Ihnen hier?
Ich erlebe Marburg als eine sehr weltoffene, tolerante Stadt mit einer wunderschönen Umgebung. Außerdem sind wir innerhalb Deutschlands angenehm zentral – selbst nach Nordfriesland ist es nicht allzu weit.

Neben Ihrer Muttersprache Englisch sprechen Sie Deutsch und Russisch, außerdem ein wenig Polnisch, Sorbisch, Friesisch. Wie halten Sie es mit Ihrer Tochter? Kommt sie nicht manchmal durcheinander, wenn sie so viele Sprachen bei Ihnen hört?
Meine Tochter kennt es ja nicht anders und kommt sehr gut damit zurecht. Mit ihren fünf Jahren spricht sie selbst schon drei Sprachen – Englisch, Deutsch und Polnisch – und hat ganz offensichtlich Freude daran.